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Der große Rollenkonflikt: Elternzeit und Beruf

20141120-Erdbär-Foto-Gedankenstuecke-Quelle-flickrMit den richtigen Tools ist Elternzeit und Karriere überhaupt kein Problem mehr! Sie müssen nur Fortbildungen im Internet besuchen, Projekte in die Nacht verlegen und Sie können spielend neben der Elternzeit beruflich am Ball zu bleiben. So denken insgeheim viele neue Eltern, nicht nur Väter. In der Realität funktioniert es leider meistens nicht. Sie können aber trotzdem einiges aus der Elternzeit lernen und besser mit dem Konflikt zwischen Elternrolle und beruflicher Identität umgehen.

Alle jungen Eltern stöhnen über Schlafmangel und den Organisationsaufwand, den ein Kind bedeutet. Von Februar bis August habe ich Elternzeit genommen und mich in erster Linie um meinen Sohn Paul gekümmert. Ich bin sehr froh über diese Zeit, auch über die Möglichkeit ganze sieben Monate beim Kind zu bleiben und den Kleinen aufwachsen zu sehen. Ich habe mitbekommen, wie er sich setzen konnte, die ersten Schritte und wie er begann erste Worte zu lernen, diese Erfahrungen möchte ich nicht missen. Für die Projekte, die Sie sonst so vorhatte, war die neue Rolle als hauptberuflicher Vater eine richtige Herausforderung.
Was ist aus den schönen Projekten im Frühjahr 2014 geworden? Nicht viel. Ich hatte vor, eine kleine Glosse über die neuen Väter zu schrieben, das versandete nach einem Artikel. Meine Akquise, die ich im Frühjahr vorhatte, habe ich schnell einstellen müssen und meine Homepage, die ich noch nachbearbeiten wollte, musste bis zum November warten. Vom Standpunkt meines Jobs war die Elternzeit insgesamt also eine Phase scheiternder Projekte und das ist eigentlich überhaupt nicht verwunderlich.

 

Die Vaterrolle in der Elternzeit
Die vielen Ideen und Projekte, die vor allem Väter in der Elternzeit erledigen wollen, sind eigentlich nur ein Versuch, in irgendeiner Form weiter erwerbstätig zu sein und meistens zum Scheitern verurteilt. Jetzt ist endlich die Zeit da, ein eigenes Buch zu schreiben! Warum nicht gleich in Fortbildungen investieren, Sie melden sich für die besten E-Learningseminare an? Mit einem Angebot der Kombi Consult können Sie beispielsweise die Elternzeit für den beruflichen Aufstieg nutzen, indem Sie Weiterbildungen besuchen (ELAN – Elternzeit zum Aufstieg nutzen). Warum nicht in der Elternzeit ein Projekt abschließen, Sie können ja am Abend arbeiten, wenn der Kleine schläft.  Kein Problem, der Kleine schläft ja dann.

Ich glaube, viele Menschen (der Autor inklusive) kommen nicht gut damit zurecht, wirklich aus ihrem gewohnten Arbeitsleben auszusteigen und sich voll und ganz auf etwas anderes zu konzentrieren, wie etwa die Erziehungsarbeit. Beruflicher Ausstieg gilt teilweise immer noch als Karriereknick (SZ: So wird die Auszeit kein Karriereknick) und viele Menschen in Deutschland ziehen ihre Anerkennung meistens aus der Erwerbsarbeit und der beruflichen Identität. Zumindest ist das eine gute Erklärung für die Untersuchung, nach auch Erwerbslose unter Burnout leiden (Keine Arbeit kann krank machen).
Ich glaube, ein wichtiger Punkt ist, sich in der Elternezeit voll und ganz auf die neue Rolle einzulassen und diese Rolle zu akzeptieren. Die Idee, mit einem Bein noch im Job zu stehen verursacht vor allem eines: Stress und Aktionismus, der niemandem etwas bringt. Aktionismus verhindert, dass Sie sich voll und ganz auf das Kind konzentrieren. Wenn ich etwas durch die Elternzeit gelernt habe, dann vor allem den Umgang mit ungeplanten Ereignissen und ich habe einen Anstoß bekommen, meine Rollenerwartungen zu überdenken. Das Leben mit einem Kind ist sehr dynamisch, Dinge laufen anders als gedacht und Sie kommen sehr schnell an das Ende ihrer normalen Planungsroutinen – und das ist vollkommen in Ordnung! Vor allem, da der Schlaf in den ersten Monaten in dieser Zeit noch sehr unregelmäßig ist, klappt es eigentlich nie, Arbeit in den Schlafphasen zu erledigen. Mir ging es so, dass er dann entweder aufwachte, oder ich mich mit ihm bewegen musste, damit er einschlief oder die Nächte einfach so kurz waren, dass ich am Tag sehr froh über einen eigenen Mittagsschlaf war. Und dann kam noch dazu, dass während meiner Elternzeit Paul immer stärker Aufmerksamkeit einforderte, vor allem, seit er sitzen konnte. Einfach nur ruhig herumliegen, wie in den ersten drei Monten war Anfang des Jahres definitiv vorbei. Und mein Sohn zeigte erstaunlich wenig Humor, wenn ich meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes richtete als auf ihn!

 

Planung und Erwartungen

Die wichtigste Lehre aus der Elternzeit war tatsächlich, bewusster mit den eigenen Erwartungen umgehen. Organisation und Planung sind zwar wichtig, wenn es aber regelmäßig nicht funktioniert, ist es hilfreich, sich auf die neue Situation einzustellen. Stress entsteht ja vor allem dadurch, dass Dinge anders laufen als geplant. Ein schlecht gelauntes Kind ist anstrengend, aber Stress entsteht vor allem dann,  wenn Sie eigentlich noch den Artikel schreiben oder den wichtigen Anruf erledigen wollen. Am wichtigsten in der Elternzeit war also, die eigenen Erwartungen herunter zu schrauben. Sie werden viel weniger hinbekommen als Sie es gewohnt sind und dieser Einstellungswechsel ist sehr wichtig.
Zwei Sachen haben mir dabei sehr geholfen: Die Planung auf das Wesentliche konzentrieren und Loslassen lernen.

Wesentliche Ziele: Hilfreich war für mich dabei das Konzept von Leo Babauta, der im Selbstmanagement wesentlich wesentliche Wochenziele definiert, die sogenannten „Big Rocks“. Das Verfahren ist relativ einfach: Sie stellen sich jede Woche die Frage: Was sind die 3 bis 6 Punkte, die Sie unbedingt in der Woche erledigen wollen? Ich habe mich in der Elternzeit dann für jede Woche auf nur drei Punkte konzentriert, damit bekommen Sie eine minimalistische, realistische Planung für die neue Lebenssituation. Und vor allem ist das motivierend: Drei Sachen pro Woche schaffen Sie auch in der Elternezeit, wenn das erledigt ist, können Sie zufrieden mit sich sein.

Loslassen: Wir sind es es gewöhnt, zielorientiert und ergebnisorientiert zu arbeiten und zu leben, was loslassen nicht einfach macht. In stressigen Situationen ist es hilfreich, sich zu fragen: Was füge ich zum Stress hinzu? Nach meiner Erfahrung werden anstrengende Situationen mit Kindern oder andere schwierige Situationen erst durch (meist unbewusste) Erwartungen richtig stressig. Sie können sich danach befragen, was sind Ihre Erwartungen an die Situation? Was kann ich loslassen? Sie kommen so zu mehr Akzeptanz und Entspannung gerade in schwierigen Situationen.