Suche
Suche Menü

Die Kunst des Loslassens

20151217-blue-touch-1174575-Quelle-freeimages.com-Bild-Peter FarkasEs war wieder mal ein langer Tag, am Ende einer Schulung wartete ich auf einem Bahnsteig auf meine Fahrt nach Köln. Ideen, Projekte und der erlebte Tag gingen mir die ganze Zeit im Kopf herum, als es passierte. Die Gedanken beruhigten sich, alles war in Ordnung, wie es gerade war und ich konnte loslassen. Sie können mit etwas Übung leichter Abstand gewinnen und lernen, mit störenden Gedanken besser umzugehen.

Vermutlich kennen Sie das Phänomen. Gedanken können manchmal etwas obsessives haben. Gerade nach einem vollen Arbeitstag kreisen wir häufig um Gedanken, die ständig wiederkehren. Habe ich alles richtig gemacht? Was könnte noch besser gehen? Wie war dieser Kommentar gemeint? Was machen wir jetzt mit dem Ergebnis der Besprechung? Das sind typische Beispiele für Gedankenschleifen, die ständig ablaufen und vor allem dann, wenn Sie eigentlich etwas Abstand und Perspektive bräuchten noch quälender sein können. Wenn wir uns genau beobachten, sind wir sehr häufig mit Gedanken beschäftigt und überwiegend mit  Fragen zu Zukunft oder der Vergangenheit. Entweder graben wir in Erinnerungen und überlegen, was damals passiert ist, oder wir entwerfen mit Vorliebe verschiedenste Zukunftsszenarien. Dieser Art des Kreises um bestimmte Gedanken ist in der Regel am Ende eines Tages ausgeprägter und wenn Sie viel um die Ohren hatten.

Die Zukunft und die Vergangenheit

Über die Zukunft und Vergangenheit nachzudenken ist natürlich wichtig! Wie sonst sollten Sie planen und lernen oder etwas verbessern, wenn Sie nicht die Vergangenheit kennen und die Zukunft entwerfen können? Ohne diese Fähigkeit wären wir sicher nicht da, wo wir als Menschen sind, gerade unser Fähigkeit, uns in die Zukunft zu projizieren macht uns uns als Menschen erst erfolgreich. Leider laufen Planen und Vorwegnehmen oder die Erinnerung an vergangene Erlebnisse häufig nicht sehr gezielt und bewusst ab. Viele Menschen sind sehr von ihrem unbewussten mentalen Vorgängen vereinnahmt.

Präsenter werden mit Meditation

“Es denkt” eben ganz gerne im Oberstübchen und diese Form des unbewussten Grübelns über die Zukunft oder Vergangenheit ist problematisch. Sie kennen sicher das Gefühl, dass Gedanken sehr hartnäckig sind und Sie am Tag mit vielen unnötigen mentalen Prozessen beschäftigt sind. Typischerweise sind es Vergangenheit und Zukunft, in die unser Geist abschweift. Je nach Typ werden Sie eher dazu neigen, die Siege und Niederlagen der Vergangenheit wieder aufleben zu lassen oder Ihr Geist schweift lieber in die Zukunft, plant oder überdenken und organisiert Ihre Handlungen der nächsten Tage.

Das muss aber nicht so sein! Sie können lernen, wacher und präsenter zu werden und Meditation ist hier eine wesentliche Übung, die Ihnen hilft, Ihre Gedanken stärker unter Kontrolle zu bekommen. Dass Sie überhaupt die Wahl haben, sich in den Gedanken zu verlieren oder nicht, ist dabei schon der entscheidende Schritt. In westlichen Gesellschaften wird das Denken sehr betont, vor allem, wenn Sie an einer Universität ausgebildet wurden, gehen Sie meisten analytisch und kognitiv an Probleme heran. Das ist ohne Frage für viele Probleme sehr nützlich, Sie werden aber den Tendenzen Ihres Geistes, sich zu zerstreuen, die Aufmerksamkeit zu verlieren oder wenig präsent zu sein, nicht mit einer kognitiven Strategie begegnen können.

Das Loslassen üben

Meditation fördert die Fähigkeit loszulassen und das geht dann, wenn Sie lernen, sich gezielter damit zu beschäftigen, was sie gerade wirklich erfahren. In formaler Meditation lernen Sie, ihren Geist bei Körperempfindungen und dem Atem zu verankern. In der Situation nach einem vollen Tag können Sie auch loslassen, wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit aus den Gedanken gezielt abziehen und woanders verankern. Sie können beispielsweise Ihren Körper empfinden, wie sie gerade stehen oder sitzen. Sie können auch in dieser Situation stärker Ihren Atem empfinden. Ich verlagerte an dem Abend auf dem Bahnsteig einfach meine Aufmerksamkeit nach außen und dadurch konnte ich loslassen. Ich habe einfach versucht, meine Umgebung genauer wahrzunehmen, was höre, was sehe ich, was geschieht gerade um mich herum. Diese kleine Verlagerung der Aufmerksamkeit kann große Wirkungen haben. Mit etwas Übung beruhigen sich die Gedanken, ihr Empfindungen werden stärker und deutlicher, Sie bekommen ihren Körper mehr in den den Blick und Sie können die Angelegenheiten des Tages hinter sich lassen. Ich empfinde es zunehmend als wichtig, auch in stressigen Situationen diese Art des Abstands zu gewinnen, Sie können dadurch nicht nur gelassener werden, sondern Sie reagieren auch angemessener in der Situation, in der Sie sich befinden.