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John Perry: Einfach liegen lassen. Das kleine Buch vom effektiven Arbeiten durch gezieltes Nichtstun

Pencil Sharpened / public domain / Quelle: www.pdpics.comphoto4328-pencil-sharpenedJohn Perry ist vor einigen Jahren durch seinen kleine Leitfaden zum gezielten Nichtstun berühmt geworden. Der Philosoph an der Stanford University entwickelte darin die Idee er strukturierten Prokrastination und gezieltes Nichtstun als effiziente Arbeitsmethode. Welche Hilfestellungen gibt das Buch her und wie kann man tatsächlich Prokrastination mit ihren eigenen Waffen schlagen.

Eine Vorbemerkung zu diesem ungewöhnlichen Buch muss an dieser Stelle erwähnt sein. Bei Einfach liegen lassen. Das kleine Buch vom effektiven Arbeiten durch gezieltes Nichtstun handelt es sich um keinen klassischen Ratgeber. Wer also eine Checkliste mit den wichtigsten Punkten gegen Prokrastination sucht und einigen Methoden, die sich schnell umsetzen lassen, für den ist das Buch falsch. Dazu ist John Perry zu sehr Philosoph und Wissenschaftler und einfach zu skeptisch gegenüber den Glücksversprechungen der Ratgeberliteratur. Perry versteht sich selbst als chronischen Aufschieber und er beschreibt in diesem Buch seinen eigenen Umgang mit Prokrastination.

Im Titel liegt eigentlich schon die ganze Idee des gezielten Aufschiebens. Es geht nicht darum zu einem extrem effizienten Selbstmanagementprofi zu werden, sondern Perry dreht den Spieß einfach um. Ganz Philosoph relativiert er zunächst einmal die Ausgangslage: Warum sollte Prokrastination immer so schlecht sein? Sicher, es gibt bessere Angewohnheiten, aber Aufschieben kann ja auch etwas menschliches haben und sogar produktiv sein.

Die richtige Art der Prokrastination ist entscheidend

Er gibt eben nicht nur einfach das Aufschieben von wichtigen Tätigkeiten, sondern Prokrastination kann tatsächlich in manchen Fällen sehr produktiv sein. Ein Beispiel von Perry verdeutlicht diesen Punkt. In seiner zeit als junger Professor hatte er keine Lust Essays und Prüfungen zu korrigieren und verbrachte seine Zeit damit, sich mit Studenten zu treffen und deren Probleme und Anliegen zu besprechen. Das heißt, Perry setzte eine klassische Vermeidungsstrategie ein. Anstatt die “wirklich wichtigen” Dinge voranzutreiben, vertrieb er sich die Zeit mit weniger wichtigen, dafür aber lustvolleren Tätigkeiten. und das ganze zahlte sich aus. Innerhalb kurzer Zeit hatte er den Ruf eines guten Dozenten erworben und das brachte ihn dann auch auf seiner Karriere weiter.

Ähnlich ist es auch mit seinem Artikel zum Strukturierten Prokrastinieren gegangen. Eigentlich musste er einen Artikel für einen Sammelband fertigstellen, stattdessen schieb er einen Artikel darüber, wie er die Arbeit aufschob und daraus entstand dann das Buch “Einfach liegen lassen”.

Die Aufgabenpyramide

Die Idee dieses gezielten Aufschiebens baut auf eine gute Struktur wichtiger und weniger wichtiger Aufgaben. Ganz oben in der Aufgabenliste sollten solche stehen, die sehr wichtig sind (es aber in Wahrheit garnicht sind) und die sehr dringend sind (natürlich in Wahrheit nicht dringend). Weiter unten auf der Liste befinden sich dann alle weniger wichtigen Aufgaben. Mit dieser gezielten Selbsttäuschung und dem üblichen Aufschieben, werden dann eben die Aufgaben unten auf der Liste erledigt. Das ist ein interessante Verfahren, vielleicht geht es Ihnen auch so, dass Sie dieses Verfahren bereits angewendet haben? Wann waren Sie eigentlich sehr produktiv, wenn Sie Dinge gemacht, die Sie eigentlich nicht vorhatten. Meine ersten Blogartikel, die ich auf www.digitalistbesser.org veröffentlicht habe, waren eigentlich genau solche Ergebnisse einer strukturierten Prokrastination.

Anstatt Artikel zu schreiben wollte ich mich eigentlich 2012 im großen Stil bewerben, sozu ich wirklich keine Lust hatte. Anstelle dessen entstand zusammen mit Marcus Klug der Blog Digitalistbesser, daraus entwickelte ich meine Selbstständigkeit und wir werden die Ideen und Artikel des Blogs bis Mitte 2016 als E-Book veröffentlichen. Also auch hier wieder Aufschieben und Prokrastinieren kann in manchen Fällen durchaus etwas positives haben, wenn Sie stattdessen Ihre Zeit auf andere Weise produktiv nutzen.

Statt eines Fazits

Mein Fazit zu diesem “Nichstrategiebuch” ist ein gemischtes. Sehr gut ist die Haltung udn Einstellung, die Perry auf den wenigen Seiten rüberbringt. Prokrastination ist nicht so schlimm, oder: Es geht nicht darum, zum perfekt organisierten, perfekten Selbstmanagementprofis zu werden. Er setzt dagegen eine menschliche Haltung, in gewisser Weise mit einem Fehler zu leben, kein schlechtes Gewissen zu entwickeln  und dafür zu sorgen, dass man mit dem eigen Aufschieben den Mitmenschen nicht zu sehr auf die Nerven geht. Diese Haltung ist wunderbar und rüstet die Rhetorik zum Aufschieben und zur Prokrastination wohltuend ab.

Die Strategie der strukturierten Prokrastination mag in manchen Fällen funktionieren, ich denke, das Buch passt gut für Menschen, die generell viele verschieden Projekte haben und einfach etwas anderes sinnvolles machen können. Leider ist es so, da schließe ich mich nicht aus, dass Prokrastination häufig nicht zu sinnvollen Resultaten führt. Prokrastination bedeutet bei mir häufig,dass ich meine Zeit mit wirklich unwichtigen Dingen verplempere und da hilft das Buch nicht mehr weiter.