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Micro-Training. Eine innovatives Blended Learning Konzept

Smartphone Contact - Pixabay - CC0

Digitales Lernen entwickelt sich mit großen Schritten weiter. Ein neuer Trend ist das Blended Learning, eine Kombination aus klassischer Präsenzveranstaltung und digitalen Lerneinheiten. Das Institut of Microtraining hat ein Blended Learning Konzept für mobile Endgeräte entwickelt. Was sind die Vorteile eines Micro-Trainings und was bringt die Kombination aus klassischem Training und digitalen Lerneinheiten?

Digitales Lernen hat sich in den letzten Jahren in verschiedene Richtungen entwickelt. Neben den MOOCs und reinen Online-Angeboten, die auf Lernen am Laptop setzten, gibt es heute verstärkt mobile Lernangebote und auch Kombinationen aus Präsenzveranstaltungen und digitalen Lernen. Diese Kombinationen aus klassischen Seminar und digitalen Lernen, das sogenannte Blended Learning, ist zu Unrecht noch eine Nische bei digitalen Lernangeboten. Blendend Learning hat das Potential, die jeweils beste Aspekte verschiedener Lernformaten zu kombinieren. Präsenzveranstaltungen leben vom Austausch der Teilnehmer und der Interaktion in Echtzeit, die digitale Formate (noch) nicht bieten können. Digitales Lernen ist dafür eine sehr flexible Form, Sie können zeit- und ortsunabhängig lernen, was gerade für Berufstätige sehr praktisch ist.

Ich durchlaufe seit letztem Jahr eine Ausbildung im Institut of Microtraining. Das IOM hat ein Konzept entwickelt, in dem Präsenzlernen und digitales Lernen inhaltlich verknüpft werden. Das “Micro” im Titel ist Programm. Micro-Training ist eine sehr kurze Präsenzphase, gerade einmal 3,5 Stunden, gefolgt von einer digitalen Nachbereitung. Beide Phasen, Präsenzveranstaltung und digitale Phase, bilden ein Micro-Training. Dabei setzt das IOM auf mobile Endgeräte, die digitale Lerneinheit ist als eine App konzipiert und bietet damit die größtmögliche Flexibilität.

Das Konzept

  1. Präsenzveranstaltung: Hier werden die wichtigsten Themen vermittelt. Es ist ein klassisches Seminar, das einen halben Tag geht. Das Konzept des IOM sieht eine praxisnahe Ausbildung vor. Die Inhalte werden mit Übungen und kurzen Inputs vermittelt.
  2. Drei Kernthemen: Jedes Thema wird mit 60 Minuten veranschlagt, 20 Minuten Input, 20 Minuten Übung und jeweils 10 Minuten Warm-Up und Abschluss. Das ist sehr knapp, das Konzept für ein Training muss genau auf den Punkt sein.
  3. Digitale Phase: Diese Nachbereitung findet über die App des IOM statt. Die Inhalte werden wiederholt und die Teilnehmer bearbeiten in dieser Phase Lernkarten, um die Inhalte zu festigen. Die digitalen Lernkarten werden vom Trainer gestaltet. Zu allen Inhalten gibt es Fragen, die vollständig richtig beantwortet werden müssen, damit die Teilnehmer das Training bestehen – es sind natürlich mehrere Versuche möglich.

Die digitalen Lernkarten orientieren sich an dem klassischen Vorgehen, das aus dem Vokabellernen bekannt ist. Alle Lernkarten befinden sich zunächst in einem Vorrat, wenn die Karte richtig beantwortet wurde, dann wandert sie eine Stufe nach vorne. Auf der nächsten Stufe wird die Karte wieder gezeigt, auch hier wandert sie bei korrekter Antwort nach vorne, immer wenn die Karte aber falsch beantwortet wurde, dann kommt sie wieder in den ursprünglichen Vorrat. Wenn die Karte dreimal richtig beantwortet wurde, dann gilt sie als gewusst und landet im Archiv. Dieses Verfahren, der sogenannte Leitner Algorithmus, sorgt dafür, dass die Karten systematisch wiederholt werden.

Mehr Effizienz und Flexibilität in der Fortbildung

Micro-Training ist nicht nur als blended-learning Konzept gedacht, sondern soll auch Forbildungen effizienter und unkomplizierter machen. Durch die digitale Nachbereitung bleiben die Inhalte länger präsent und im Gedächtnis. Die spielerische Wiederholung sorgt dafür, dass das Wissen länger präsent bleibt. Die kurze und knappe Form, in Kombination mit Lernkarten bringt auch einen spielerischen Effekt in das Lernen. Die Inhalte werden nebenher gefestigt, es gibt in der App auch einen spielerischen Modus, in dem man gegen andere Teilnehmer antritt.

Etwas gewöhnungsbedürftig war für mich das halbtägige Format für das Präsenztraining. Ich habe in der Regel 2 bis 3 tägige Seminare, in denen ich viel Stoff vermittle. Ein Micro-Training möchte gezielt einen abgegrenzten Aspekt in den Vordergrund heben. Aus der Logik eines klassischen Trainings ist ein Micro-Training sozusagen ein Modul einer umfangreicheren Fortbildung. Bei meiner eigenen Ausarbeitung ist mit klargeworden, dass es nicht sinnvoll ist, ein klassisches Seminar auf ein Micro-Training zu verkürzen. Das werden bei mir zu viele Aspekte, die dann nur halb behandelt werden. Sinnvoller ist es, einen Aspekt zum Micro-Training auszubauen und aus einem klassischen Seminare mehrere Micro-Trainings zu gestalten.

Einen klaren Vorteil hat dieses Konzept für Lehrende und Teilnehmer. Ein Micro-Training zu einem abgesteckten Thema lässt sich sehr unkompliziert in den Arbeitsalltag integrieren. Das klassische 2 oder 3-tägige Seminarkonzept ist für alle Beteiligten sehr aufwändig und wenig effektiv. Die Vermittlung der Inhalte wird gestrafft und ein Teil des Lernens in digitaler Form ausgelagert. Ein Micro-Training lässt sich viel einfach als Inhouse-Schulung umsetzen als ein klassisches Seminar.

Meine Umsetzung – Work in Progress

Ich arbeite gerade ein Training für das IOM aus, in meinem Micro-Training geht es um Zeitmanagement für die digitale Arbeitswelt. Mich beschäftigt im Augenblick das Thema Aufmerksamkeit und Selbstmanagement, vor allem die Folgen der Digitalisierung für Aufmerksamkeit und Konzentration. Aufmerksamkeit wird in unserer vernetzten Medienwelt zu einem knappen Gut, das wurde bereits in den 1990ern erkannt. Auch Tim Wu beschreibt in seinem Buch The Attention Merchants die Geschichte der modernen Werbung als einen Kampf um die Aufmerksamkeit. Auch für die Arbeitswelt wird das Thema Aufmerksamkeit wichtiger. Die Digitalisierung bedeutet für viele Arbeitnehmer häufig eine Zunahme an Unterbrechungen – durch Mails oder die Suche nach Informationen.

Diese Entwicklung hat Auswirkungen für das Selbst- und Zeitmanagement. Konzentriertes Arbeiten ist entscheidend für Produktivität, vor allem bei Wissensarbeit geht. Dieser Zusammenhang ist zwar schon länger bekannt, für eine digitale Arbeitswelt braucht es aber neue Strategien, fokussiertes Arbeiten und digitale Kommunikation und Vernetzung zu koordinieren. Cal Newport beschreibt in seinem letzte Buch Deep Work einige Strategien, wie sich konzentriertes Arbeiten in der digitalen Arbeitswelt umsetzen.

Ich bin gerade bei der Ausarbeitung des Trainings und gespannt, wie meine Inhalte in einem knappen Blended-Learning-Konzept funktionieren. Einen Lerneffekt gab es schon für mich. Ich werden genauer in meiner Vorbereitung und verstehe besser, wie ich Inhalte meiner Schulungen als unabhängige Module entwickeln kann. Mehr zum Thema Micro-Training bald hier, wenn die Schulung fertiggestellt ist und ich in die Vermarktung gehen.