Suche
Suche Menü

Warum manche Studierende viel lernen, aber wenig Erfolg haben

20150205-Man studying alone with his macbook-foto-Chris Dever-Quelle-Flickr

 

Die Zahl der Studierenden erreichte in diesem Jahr einen neuen Höchststand. Für Viele ist das Studium eine große Belastung, sie haben Schwierigkeiten, das Lernen und einen Nebenjob zu koordinieren. Eine Studie von Prof. Dr. Schulmeister zeigt, welche zeitlichen Belastungen Studierende tatsächlich haben und welche Faktoren für den Studienerfolg ausschlaggebend sind.

Ich arbeite viel mit Studierenden an FHs und Universitäten. Ich sehe zwar nur einen Ausschnitt der Studierenden – diejenigen, die in Selbstmanagement-Kurse gehen – es gibt aber ein wiederkehrendes Problem, das fast alle Studierenden in unterschiedlichen Ausmaß haben. Der Übergang von der Schule zum Studium ist viel gravierender, als vielen bewusst ist. Während in der Schule und Ausbildung vieles vorgeben ist und es reicht, kurz vor der Prüfung zu lernen, hilft diese Strategie im Studium nicht mehr weiter. Fast alle Studierenden müssen lernen, sich stärker selbst zu organisieren und langfristiger zu planen. Während in der Schule kurzfristiges Lernen, das sogenannte Bulemie-Lernen, noch funktionierte, reicht das im Studium nicht mehr aus. Kurzfristige intensive Lerneinheiten sind nicht nur anstrengend, sondern führt auch in der Regel zu schlechteren Ergebnissen.

Eine falsche Lernstrategie führt unweigerlich zu Stress im Studium. Ich glaube, Studierende sind vor allem auch deshalb gestresst, weil sie eine neue und herausfordernde Situation bewältigen müssen. Das Studium ist anspruchsvoller als die Schule, die Lernphasen müssen stärker selbst organisiert werden, daneben führen viele Studierende einen kleinen Haushalt führen und arbeiten neben dem Studium. Das ist ein Bündel von neuen Aufgaben und Verpflichtungen, die bewältigt werden müssen. Viele Studierende bringen mit Anfang 20 die Erfahrung und Methoden nicht mit, um diese Herausforderung zu bewältigen.

Die Zeitlast-Studie

Die Zeitlast-Studie ist eine Untersuchung, die genauer herauszufinden möchte, wie sich Studierende verhalten und wieviel Zeit sie tatsächlich für das Studium brauchen. Die erste Studie wurde von Prof. Dr. Schulmeister durchgeführt. An der TH-Köln findet aktuell eine ähnliche Erhebung statt. Ich gebe im rahen dieser Studie einen Abschluss-Workshop mit anderen Coaches, und helfe dabei, das Zeitverhalten der TeilnehmerInnen zu verbessern.

Über die ersten Ergebnisse aus der Studie können Sie in diesem Interview einiges erfahren:

 

Die ersten Ergebnisse sind relativ eindeutig. Zwar klagen viele Studierende über Zeitmangel und wenig Zeit, tatsächlich arbeiten die meisten sehr viel weniger, als für das Studium vorgesehen ist. In der Regel sind es 20 bis 30 Stunden. Ein zweites Ergebnis ist genauso frappierend. Es gibt keine Korrelation zwischen Aufwand und Erfolg im Studium. Das heißt, es gibt Studierende, die viel lernen, mit wenig Erfolg, Studierende, die wenig lernen, dabei aber viel Erfolg haben. Und genauso sieht es bei den weniger erfolgreichen Studierenden aus. Eine Gruppe lernt anscheinend einfach zu wenig und zu spät. Es gibt aber auch eine Gruppe, die einen hohe Aufwand im Studium betreibt, aber wenig Erfolg hat.

Qualität des Lernens

Nicht nur die Lernplanung ist entscheidend, sondern auch die Qualität des Lernens. Schulmeister führt diese Effekte auf zwei Gründe zurück. Zum einen ist es Aufschieben und Prokrastination, die dazu führen, dass die Studierenden später im Semester sehr viel lernen und einen hohen Aufwand haben. Der zweite Grund sind Ablenkungen. Wenn Sie ständig unterbrochen werden und wenig Zeit haben, sich auf ein Thema einzulassen, dann wird Ihr Lernen sehr ineffektiv. Ein Grund könnten auch falsche Lerntechniken sein. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Studierende Lernen mit Auswendig-Lernen gleichsetzten. Dieses Lernen mit Karteikarten hat seine Berechtigung, für das Studium ist es aber wichtiger, auch andere Lerntechniken anzuwenden und Themen zu verstehen.

Die Studie wird in Mai zu Ende gehen. Die Ergebnisse werden präsentiert und ich werden mit anderen Trainern einen kurzen Workshop zum Thema Selbstmanagement halten. Ich bin auf jeden Fall auf die Ergebnisse in Köln gespannt und freue mich auf den Workshop im Mai.