Warum Deep Work und Konzentration wichtig sind

Warum Deep Work und Konzentration wichtig sind

Haben Sie manchmal das Gefühl, am Tag nichts anderes als E-Mails zu beantworten? Fühlen Sie sich hektisch und unkonzentriert? Der Umgang mit digitalen Medien und der eigenen Aufmerksamkeit sind zentrale Aspekte für Ihren Erfolg.

In den letzten Wochen ist durch den spektakulären Abgang von Robert Habeck aus Twitter und Facebook das Thema Social Media und die politische Diskussion in den Schlagzeilen gewesen. Über das Für und Wieder eines solchen Schritts lässt sich sicher lange diskutieren. Auch darüber, ob die sozialen Medien mit ihrer spezifischen schnellen Kommunikation das Problem sind oder nicht eher der Nutzer sozialer Medien. Eine Beobachtung zu sozialen Medien ist aber sicher richtig. Facebook, Twitter und Co. verschlingen viel Zeit und Aufmerksamkeit, was zu Lasten der Produktivität gehen kann.

Eines der interessantesten Bücher der letzten Jahre, Cal Newports Werk trägt den Titel “Deep Work. Rules for Focused Success in a Distracted World” beschreibt diesen Zusammenhang aus Aufmerksamkeit und Produktivität. Wir leben heute in einer Umwelt, die sehr stark medial geprägt ist und bei der Aufmerksamkeit schnell zu einem knappen Gut wird. Der ganze Bereich des Online-Marketings beruht darauf, dass die Aufmerksamkeit von Usern gezielt genutzt und monetarisiert wird. Mit mehr Aufmerksamkeit kommen mehr Klicks, mehr Klicks führen dann zu mehr Verkäufen und damit läuft das Geschäft der Aufmerksamkeitsökonomie.

Was zeichnet Deep Work aus?

“Deep Work” ist als Begriffsprägung von “Shallow Work” unterschieden. Cal Newport meint mit Deep Work die konzentrierte und fokussierte Arbeit, die in der Regel erfolgreicher und produktiver ist. Shallow Work steht dagegen für unkonzentriertes und zerstreutes Arbeiten. Für die Art von Arbeit, die häufig im Arbeitsalltag vorherrschend ist: Überflüssige Kommunikation, Viele Mails, Pflege von Social Media Accounts und Meetings mit zweifelhaften Ertrag. Warum diese Art des fokussierten Arbeitens wichtig und wesentlich fasst Newport in drei Punkten zusammen.

1. Deep Work ist wertvoll

Konzentriertes Arbeiten ist nicht nur produktiver, sondern mir großer Wahrscheinlichkeit wichtig für die Entwicklung der Arbeit in der Zukunft. Die Folgen der Digitalisierung werden mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass Berufe und Berufsfelder sich stark verändern. Newport weist hier auf das Buch von Erik Brynjolfsson and Andrew McAfee Race against the machine hin, nachdem die Digitalisierung die Berufe spalten wird in schlecht bezahlte einfache Tätigkeiten und hochspezialisierte komplexe Aufgaben. Wir werden uns alle aber mit großer Wahrscheinlichkeit weiterentwickeln, um weiter erfolgreich zu sein.

Cal Newport identifiziert drei Gruppen, die in Zukunft erfolgreich sein werden: 1. Die Kapitalbesitzer, 2. Diejenigen, die kreativ mit intelligenten Maschinen arbeiten und 3. Eine Gruppe von Spezialiszen, die gut in in einem bestimmten Feld sind. Die erste Gruppe wird unternehmerisch den digitalen Wandel nutzen, die anderen Gruppen profitieren von der Fähigkeit zum konzentrierten Arbeiten. Um es konkret zu machen: In vielen Berufen wird es wichtig, sich auf den digitalen Wandel einzustellen. Die schockierenden Prognosen der letzten Jahre, nach der bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen, werden sich wahrscheinlich so nicht bewahrheiten. Die Rechenmodelle hängen sehr stark davon ab, wie das Veränderungspotenzial in die Prognose einfließt und wie neue Jobs, die durch die Digitalisierung entstehen, berücksichtigt werden.

Wahrscheinlich sind aber große Wandlungsprozesse und die Fähigkeit, sich an neue Entwicklungen anzupassen. In Ihrer Buch The Shift beschreibt Lynda Gratton diese Entwicklung als serielle Meisterschaft. Das heißt, Erfolg im digitalen Wandel braucht Anpassung und Sie müssen auch neue Fähigkeiten dazu lernen. Und dazu ist die Fähigkeit zur Konzentration ganz entscheidend.

3. Deep Work ist selten

Ablenkungen sind sicher der Produktivitätskiller der digitalen Büroarbeit. In den letzten Jahren kam die Idee auf, dass in der Arbeit der Austausch und die die Verbindung mit anderen gefördert werden sollte. Der ungehinderte Austausch sollte die Produktivität der Mitarbeiter fördern. Diese Idee hat sich sogar in der Architektur von Firmenzentralen niedergeschlagen, der Film Work hard Play hard von Frau Losmann zeigt in verschiedenen Szenen die Auflösung klassischer Büro zugunsten Großraumbüros und Räumen, die für Begegnungen konstruiert wurden.

Diese neue Idee von Arbeit fördert zwar den Austausch, aber natürlich auch Zerstreuung und Ablenkungen. Cal Newport nennt in diesem Abschnitt eine Studie, die untersucht, ob eingeschränkte Kommunikation produktiver macht. In dieser Studie musste sich eine Gruppe zu bestimmte Zeiten aus der Kommunikation zurück ziehen. Die Kontrollgruppe war jederzeit ansprechbar und in Kommunikation eingebunden. Das Resultat ist sicher nicht verwunderlich. Die erste Gruppe war deutlich erfolgreicher produktiver als die zweite.

Ein Übermaß an Kommunikation, viele Mails und Ablenkungsmöglichkeiten führen nicht zu mehr Produktivität. Konzentriertes Arbeiten ist also deshalb wichtig, da Sie nur dann auch erfolgreich sein können, wenn Sie sich temporär zurückziehen und fokussiert arbeiten.

3. Deep Work ist bedeutsam

Das letzte Argument für konzentriertes Arbeiten ist die Zufriedenheit, die mit Konzentration kommt. Cal Newport zeigt diesen Zusammenhang anekdotisch anhand von Kunsthandwerkern. Die Konzentration auf eine Sache und die erfolgreiche und schöpferische Umsetzung sind eine Quelle großer Zufriedenheit. Das lässt sich auch aus der Forschung belegen. Neurologisch wird unsere Wahrnehmung sehr stark davon beeinflusst, worauf wir uns konzentrieren. Eine hektische und getriebene Arbeitswelt führt so schnell zu einer entsprechenden Wahrnehmung.

“Who you are, what you think, feel, and do, what you love—is
the sum of what you focus on.” Rapt. Attention and the Focused Life

Dagegen führt die Konzentration auf die wirklich wichtigen Dinge zu mehr Ruhe und mehr Zufriedenheit.

Psychologisch ist der Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und Konzentration schon länger bekannt. Der Psychologe Csikszentmihalyi hat bereits in den 1980ern das Konzept des Flow entwickelt. Eine Tätigkeit im Flow ist geprägt von starker Konzentration und einem Gleichgewicht zwischen Anforderungen und eigenen Ressourcen.

Der Maschinenstürmer-Einwand

Schön gut kann man nun sagen, aber was soll aus diesen Überlegungen und Forschungsarbeiten praktisch folgen? Der klassische Einwand, den ich erlebe, wenn ich das Konzept von deep work vorstelle lässt sich ungefähr folgendermaßen reformulieren. Das ist zwar eine schöne Idee, praktisch aber nur für Schriftstelle oder Programmierer oder Künstler relevant. Deep Work klingt tatsächlich manchmal wie die vielen Einwände von Maschinenstürmern gegen den technischen Wandel.

Darum geht es nicht. Cal Newport Buch durchzieht zwar eine gehörige Skepsis gegenüber manchen Technologien, aber er ist Informatiker und schätzt offensichtlich Programmieren und Computer sehr. Seine Ausführungen laufen ja auch darauf hinaus, dass Konzentration wesentlich dafür ist, in der Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich zu sein. All das ist weit weg von einer generellen Technikskepsis und Parolen, die eine Rückkehr zum einfachen Leben fordern.

Es geht also nicht darum, die elektronische Kommunikation zu ignorieren. Wie sollen auch nicht in die 1960er zurück, und nein, es geht auch nicht darum, Social Media komplett abzuschalten. Der Punkt ist eher ein bewussterer Umgang mit den begrenzten Ressourcen an Zeit und Aufmerksamkeit. Wenn Sie erfolgreich sein möchten, müssen Sie konzentriertes Arbeiten in Ihren Alltag integrieren. Und es ist sinnvoll, bewusster mit digitaler Kommunikation umzugehen. Wie das praktisch funktioniert kommt in einem der nächsten Artikel.